Filmkritik: Singender Umweltaktivist in Kolumbien

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Ede Müllers Film „With his feet on the ground“ gibt Einblicke in das Herz eines Umweltaktivisten und in die politischen Probleme Kolumbiens.

Wie so viele südamerikanische Länder ist auch Kolumbien ein Land, in welchem Drogenkartelle teilweise mehr Macht besitzen als die Regierung, Politiker eher korrupt als vertrauenswürdig sind und der Großteil der Bevölkerung in Armut lebt – der Kleinbauer Leon Octavio Osorno lässt sich davon nicht beeindrucken und singt Lieder über Essen. “Ich habe einen Garten, dort in meinem Haus, wo ich Essen anbaue. Er gibt mir Kohl, Bohnen, Salat und leckere rote Beete”, heißt es so in einem der Songs des Umweltaktivisten. Was zugegebenermaßen wahnwitzig klingt, entwickelt Ede Müller im Laufe seines knapp 80-minütigen Films „With his feet on the ground“  zu einer Hommage an die Natur. Und an das Bewusstsein, das Leben und die Umwelt mehr wertzuschätzen.

Lehrreiche Lieder über’s Essen

Der Film begleitet Ororno zu Konzerten seiner Band ‘Compo y Sabor’, zu Deutsch ‘Land und Geschmack’ in ganz Kolumbien. Der Kleinbauer trifft andere Aktivisten und spricht mit ihnen über seine Arbeit als Musiker und Schriftsteller und über ökologischen Ackerbau. Dem Kolumbianer geht es bei seiner Musik um darum, Wissen zu vermitteln und um das Schärfen des Umweltbewusstseins. „Die Intention der Lieder ist pädagogisch. Man erfährt zum Beispiel den wissenschaftlichen Namen einer Pflanze. Essen ist die Basis des Lebens und ich denke, dass die normalen Bauern und Leute auch das Recht auf dieses Wissen haben, das normalerweise im Besitz der Botaniker und Agronomen bleibt,“ erklärt der 66-Jährige. So handeln die Lieder von Früchten, Gemüse, der Liebe zum Gartenbau oder traditionellen Gerichten, vorgetragen im Stil lateinamerikanischer Musik.

Tanzbar, aber mit Inhalt – ein Musik-Konzept, das offenbar gut bei den Kolumbianern ankommt: Die Band veröffentlichte bereits mehrere Alben. Ede Müller verwendet einige der Songs als Hintergrundmusik, sodass der Film von einer angenehmen, zuversichtlichen Atmosphäre getragen wird. Dem Zuschauer wird es währenddessen ermöglicht, tiefer in die Welt des Leon Octavio Osornos einzutauchen. Zum Beispiel ins Naturreservat ‘Villamaga’, das er mit anderen Aktivisten gegründet hat. Sie schützen dort die Wasserquellen und den Wald.

Eine moderne Heldengeschichte

Durch die zurückhaltende Inszenierung des Aktivisten zeichnet der Berliner Regisseur das Bild eines Helden, der sich selbst nicht als solchen sieht: Ede Müller verzichtet auf eine bildliche Glorifizierung seines Protagonisten oder auf andere Mittel, um dem Film Glanz zu verleihen. Es kommen keine Sequenzen oder Einstellungen vor, die künstlich Dramatik erzeugen. Mit sensibler Hand schafft Müller es, das filmisch eher schwierig darzustellende Thema ‚Umwelt‘ weder langweilig noch dramatisch zu gestalten. „With his feet on the ground“ zeigt dem Zuschauer das Kolumbien der Menschen und spiegelt zudem die politische Lage des Landes wieder. Der Film offenbart den krassen Kontrast zwischen der wilden Natur Kolumbiens und zunehmenden Urbanisierung, die als filmisches Symbol für das schwindende Umweltbewusstsein der Menschen steht.

Keine effektvollen Landschaftsaufnahmen oder hergerichtete Drehorte verzerren auf diese Weise die Grundaussage des Films: Es geht nicht um eine inszenierte Schönheit der Natur oder des Essens, und auch nicht einzig um Leon Octavio Osorno. Es geht um Mut und die Bedeutsamkeit des Willens eines jeden Menschen, einen Beitrag zur Verbesserung der Welt zu leisten. Leon Octavio Osorno ist ein Idealist, ein Kämpfer, dem man gerne zuschaut und für sein Engagement bewundert. Doch letztlich, so zeigt der Film, ist auch Osorno ein ganz gewöhnlicher Mensch, der auf dem Boden geblieben ist. Und der uns allen zeigt, dass man etwas mit seinem Mut bewegen kann, solange man nur will.

 


Foto: Greenhouse PR

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