Umeme-Magazin zu Freiwilligen aus Tansania in Deutschland: „Man wird nicht als normale Person wertgeschätzt“

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Dank vieler Initiativen müssten sich die Deutschen langsam daran gewöhnen, dass junge Menschen aus dem globalen Süden hier ihren Freiwilligendienst leisten. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das aber noch nicht angekommen, wie die neue Ausgabe des deutsch-tansanischen Magazins „Umeme“ zeigt.

Christian Mwakihaba hat es nicht leicht. Seit dem letzten Jahr macht der Tansanier aus Dar es Salaam einen Freiwilligendienst im Hamburger Kinderladen Maimouna. „Menschen haben immer noch ein Bild von einem Afrika wie in der Steinzeit im Kopf“, erzählt er dem Tansania-Magazin „Umeme“.

„Ich wurde auch schon gefragt, ob ich wegen Krieg, einer Epidemie oder anderen Problemen aus meiner Heimat geflohen sei“, erzählt Christian Mwakihabas Kollege Erick Nyoni dem Magazin. Für viele Deutsche ist es anscheinend immer noch schwer vorstellbar ist, dass es Afrikaner gibt, die aus Neugier und Abenteuerlust nach Deutschland kommen. Denn das ist der Motor, der jedes Jahr über 3.000 junge Deutsche ins Ausland treibt.

Einmal gewürdigt: Entwicklungsminister Müller mit den tansanischen Freiwilligen (Foto: Christian Mwakihaba)
Einmal gewürdigt: Entwicklungsminister Müller
mit den tansanischen Freiwilligen
(Foto: Christian Mwakihaba)

Auch die Berichterstattung ist Schuld am einseitigen Bild Tansanias

„Afrika wird noch immer als armer Kontinent wahrgenommen“, sagt Merle Pütz, die seit dieser Ausgabe Redakteurin beim Umeme-Magazin ist. Umso wichtiger sei es, nicht nur durch gegenseitige Freiwilligendienste „Partnerschaften auf Augenhöhe“ herzustellen, sondern auch in der Berichterstattung einen “Perspektivwechsel” zu wagen. Mit dem Umeme-Magazin will sie dazu ihren Beitrag leisten.

Zu dem “Perspektivwechsel” gehört natürlich auch die Dinge abzubilden, an die sich die tansanischen Freiwilligen schwer gewöhnen können. So beschreibt Erick Nyoni es als „sehr ungewöhnlich (…) Paare zu sehen, die sich auf offener Straße freizügig küssten.“ In seine tansanische Welt passe das gar nicht. Sein Kollege Christian Mwakihaba beschreibt das genaue Gegenteil. Er finde es „seltsam, Tür an Tür mit seinen Nachbarn zu wohnen, ohne je Kontakt mit ihnen zu haben“.

Die Perspektiven sind anders und das muss auch die Berichterstattung abbilden. Mit dem Umeme-Magazin leisten ehemalige Freiwillige dazu einen Beitrag.

Das Umeme-Magazin berichtet auf persönlicher Ebene über Tansania. Es wird von ehemaligen Freiwilligen und dem Deutsch-Tansanischen Partnerschaft e.V. herausgebracht. Das Print-Magazin erscheint seit 2008 in unregelmäßigen Abständen und ist online und per Bestellung erhältlich. 

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  1. 8. Mai 2015 at 21:48 — Antworten

    Liebes Mittendrin-Magazin,

    wir freuen uns, dass ihr das umeme-Magazin hier thematisiert habt.

    Wir haben den obigen Artikel in unserer Redaktion diskutiert und möchten ihn im Folgenden gerne kritisch kommentieren. Nach unserer Auffassung verfolgt der Artikel zwei Anliegen: Zum einen geht es um die Vorstellung der umeme als Magazin. Zum anderen soll das Titelthema der 10. umeme-Ausgabe aufgegriffen werden. Diese Verknüpfung von Bericht und Meinung kann unserem Empfinden nach hier zu einem falschen Verständnis unseres Magazins führen. Dem möchten wir mit diesen Anmerkungen vorbeugen.

    Bereits die Überschrift des Artikels führt unserer Meinung nach in die Irre, da ein Zitat einer Einzelperson als Aussage unseres Magazins zitiert wird. So kann der Eindruck entstehen, dass die umeme-Redaktion die zitierte Auffassung selbst vertritt. Die Aussage wurde allerdings im Rahmen eines umeme-Interviews von einer Einzelperson getroffen und von uns als Zitat gekennzeichnet. Sie kann damit nicht als Aussage unseres Magazins selbst verstanden werden, wie es eure Überschrift nun suggeriert.

    Das Zitat Christian Mwakihabas “‘Menschen haben immer noch ein Bild von einem Afrika wie in der Steinzeit im Kopf'” erscheint uns kontext-entbunden zitiert. Im Vorsatz der zitierten Passage geht Mwakihaba auf junge Menschen ein, die offen für andere Kulturen sind, und schließt daran mit dem zitierten Satz an „Aber andere Menschen haben …“. In diesem Kontext geht es also nicht um alle Menschen, sondern um eine Gruppe in Abgrenzung zu den zuvor Genannten. Diese Sowohl-als-auch-Perspektive erscheint uns in der Artikeldarstellung abhanden zu kommen.

    Auch ist uns nicht klar, wie die Aussage Erick Nyonis zu Küssen in Öffentlichkeit als das „genaue Gegenteil“ der Schilderung Mwakihabas über geringe Nachbarschaftskontakte verstanden werden kann. Hier bitten wir um Erläuterung.

    Der Artikel äußert verschiedene Meinungen, von der wir uns als umeme-Redaktion distanzieren möchten: „Die Deutschen müssten sich langsam daran gewöhnen, dass junge Menschen aus dem globalen Süden hier Freiwilligendienst leisten.“, „Christian Mwakihaba hat es nicht leicht.“ und „[Neugier und Abenteuerlust] ist der Motor, der jedes Jahr über 3000 junge Deutsche ins Ausland treibt.“ Wir möchten festhalten, dass diese diskussionwürdigen Thesen allein vom mittendrin-Autor stammen und nichts mit dem Inhalt der umeme-Ausgaben zu tun haben.

    Zuletzt möchten wir richtig stellen, dass die umeme nicht in “unregelmäßigen Abständen” erscheint. Die umeme erscheint in regelmäßiger Folge im Frühjahr (Mai) und Herbst (November) eines jeden Jahres und wird zu diesen Zeitpunkten an Abonnenten versendet und Interessierte verteilt.

    Die umeme-Redaktion


    Diesen Text hat die umeme-Redaktion zunächst direkt an die mittendrin-Redaktion gerichtet und möchte ihn nun hier öffentlich zugänglich machen.

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