Petition: Zugvögel fordern gerechtere Visabestimmungen für Süd-Nord-Freiwillige

No Comment

“Antrag abgelehnt”: Viele Freiwillige, die sich um ein Visa für die EU bemühen, müssen mit so einem Bescheid rechnen. Bei Menschen aus Asien, Afrika oder Südamerika kommt das überdurchschnittlich häufig vor. Für sie scheinen die mit dem Antrag verbundenen Anforderungen oft unerfüllbar. Die Austauschorganisation “Zugvögel” hat deswegen eine Kampagne gestartet: “Visa Wie”. Moses Kühlewindt ist Teil dieser Kampagne. Unserer Autorin Makda Isak hat er berichtet von strukturellen Schwierigkeiten bei den zuständigen Behörden und diskriminierenden gesetzliche Regelungen.

mitten.drin: Hallo, Moses. Worin liegt für Süd-Nord-Freiwillige die Schwierigkeit, ein Visum zu beantragen?

Moses: Selbst wenn eine Person aus dem globalen Süden einen Arbeitsvertrag in Deutschland hat, scheitert das Visum meistens daran, dass unterstellt wird, es fehle an der ominösen „Rückkehrerbereitschaft“.

Was hat es mit dieser Rückkehrerbereitschaft auf sich?

Im Ausländerrecht ist es so beschrieben, dass durch den Aufenthalt eines Ausländers oder einer Ausländerin nicht die Interessen der Bundesrepublik Deutschland verletzt werden dürfen. Darüber wird anhand der Rückkehrerbereitschaft des Ausländers oder der Ausländerin entschieden. Wenn diese nicht erkennbar ist, dann seien, so das Gesetz, die Interessen der Bundesrepublik gefährdet. Dieser Begriff, beziehungsweise diese Art der Feststellung, sind aber sehr schwammig. Denn man kann nicht vorhersagen, ob die Person wieder zurückgehen möchte oder nicht. In meinen Augen sollte jeder Mensch selbst entscheiden können, ob er oder sie die Erfahrungen, die er im Ausland gemacht hat, im Heimatland nutzt oder lieber im Gastland bleiben möchte.

Nach welchen Kriterien wird diese Rückkehrbereitschaft bestimmt?

Die Kriterien für die sogenannte „Rückkehrerbereitschaft“ sind die Höhe des Vermögens, der Wert von eigenen Immobilien und der Familienstand. Also Faktoren, die angeblich die Person an das Heimatland binden sollen. Das Ungerechte ist, dass das alles für uns zum Beispiel keine Rolle gespielt hat, als wir unsere Visa für die Länder beantragt haben, in denen wir unsere Freiwilligendienste absolviert haben. Mit der Visakampagne möchten wir dafür kämpfen, dass diese Aspekte keine Rolle für das Visum spielen.

“Es fehlt an Personal, Organisationsfähigkeit und Vorgaben für die Behörden”

Wie sieht eure politische Kampagne aus?

Wir haben ein Papier verfasst, in dem wir unsere Forderungen aufgeschrieben haben. Wir verschaffen dort auch einen Überblick über die Lage der Behörden und Botschaften. Vor allem der Personalmangel gibt uns sehr zu denken. Es gibt außerdem keine Vorgaben, an die sich die Behörden halten müssen, sodass sie zum Beispiel die Anträge bis zum Niemandstag hinauszögern können. Das ist für die Organisation des Freiwilligendienstes sehr problematisch, da man in der Regel bereits vorher einen befristeten Arbeitsvertrag und einen gebuchten Flug vorweisen muss. Der hohe Kostenaufwand für uns, die Zugvögel, sowie für alle anderen Menschen, die ein Visum beantragen, ist schließlich auf die mangelnde Organisationsfähigkeit der zuständigen Behörden zurückzuführen.

Und was habt ihr mit dem Papier vor?

Wir planen, zahlreiche Organisationen und Vereine anzuschreiben und das Papier ist bereits auf unserer Homepage zu finden. Außerdem haben wir Parteien angeschrieben, mit welchen wir zum Teil bereits ins Gespräch gekommen sind. Wir planen, einen Film darüber zu drehen und durch Öffentlichkeitsarbeit ein größeres Publikum für die Kampagne zu gewinnen.

Kannst Du unseren Lesern und Leserinnen zum Schluss noch sagen, wie man Euch kontaktieren kann?

Wir sind mittlerweile bundesweit in 19 Regionalgruppen aktiv. Auf unserer Homepage könnt Ihr auf der Deutschlandkarte herausfinden, an welche Regionalgruppe man sich wenden kann. Wenn man in einem Ort wohnt, in dem es noch keine Regionalgruppe gibt, kann man auch eine neue Gruppe gründen. Die jährliche Mitgliederversammlung stellt eine gute Möglichkeit dar, viele Vereinsmitglieder kennenzulernen. Mittlerweile sind wir ungefähr 300 Mitglieder und werden, vor allem in den Herbstmonaten, immer mehr, da wir versuchen, auf vielen Rückkehrendenseminaren präsent zu sein.

Vielen Dank für das Interview, Moses!

 

Mehr zum Thema:


Titelbild: RainerSturm / pixelio.de


Previous post
Hundert Prozent nachhaltig?! : Auf ein Wort mit meiner Inkonsequenz
Jan-Willem Prügel vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Heidelberg (Foto: Niklas Rudolph)
Next post
Asylrecht und Mietstreit: Heidelberger Studierende bieten kostenlose Rechtsberatung

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

6 − drei =

Back
SHARE

Petition: Zugvögel fordern gerechtere Visabestimmungen für Süd-Nord-Freiwillige