Mode ohne bitteren Beigeschmack

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Studierende importieren faire Mode aus Malawi und ermöglichen den malawischen Schneiderinnen Weiterbildungen.

Weihnachtsmarkt in Freiburg. Etwas abseits der unendlichen Glühwein-, Gebäck- und Kerzenstände hängen bunte Sommerkleider an einer Hauswand. Ein ungewöhnlicher Anblick im Dezember. Was haben Sommerkleider auf dem Weihnachtsmarkt zu suchen? Die Kleider kommen aus Malawi, genauer: aus der Hauptstadt Lilongwe. Hier steht eine kleine Schneiderei, Teil des Projekts Taste of Malawi e.V.. „Es gibt viele kleine Schneidereien in Malawi, aber diese ist anders“, erzählt Jana Piske.  Die Geographiestudentin hat das Projekt vor drei Jahren während eines Freiwilligendienstes zusammen mit Alexander Kumcheza gegründet. Die Auszubildenden werden nur aufgenommen, wenn sie schon nähen können. Die Frauen lernen hier nicht nähen, sondern Unternehmenstheorie und Buchhaltung.

Förderung von selbstständigen Frauen in Malawi

Sie bekommen eine dreijährige Weiterbildung, in der es nicht nur darum geht, Nähkenntnisse zu erweitern. Sie lernen auch, eines Tages ihr eigenes Geschäft zu leiten. Dabei ist die Schneiderei nicht nur eine Schule, sondern gleichzeitig ein Ort des Zusammenkommens, an dem die Schülerinnen sich im Team über verschiedene Themen austauschen können.

Neben dem malawischen Team mit 15 Schülerinnen, zwei Schneiderlehrerinnen und dem Mitgründer Alexander besteht der Verein Taste of Malawi aus einem deutsch-europäischen Team. Dieses setzt sich hauptsächlich aus Studierenden zusammen, „denen wir die Möglichkeit geben wollen zu lernen, was soziales Unternehmertum bedeutet und wie man in einem diversen Team zusammenarbeiten kann“, sagt Jana.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Auf dem Weihnachtsmarkt stehen Elena und Timo am Taste of Malawi-Stand. Sie erzählen vom deutschen Team: „Es ist ziemlich cool, jeder ist für einen anderen Bereich zuständig“. Gleichzeitig sind alle im Team flexibel, da es keinen festen Sitz in Deutschland gibt. Manche arbeiten von zu Hause, andere aus dem Auslandssemester. Einmal im Monat gibt es einen Skype-Termin und ein- bis zweimal im Jahr kommt das Team zusammen.

Langfristig ist die Idee, aus Taste of Malawi ein Modelabel zu entwickeln. „In Deutschland soll ein faires Modelabel geschaffen werden, welches ein Beispiel dafür wird, dass es möglich ist auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten“, sagt Jana. Damit sind sie zwar nicht das erste faire Modelabel in Deutschland. Doch neben dem Verkauf von fairer Kleidung wird der Fokus weiterhin darauf liegen, den malawischen Frauen den Weg in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und den Mitgliedern des europäischen Teams die Möglichkeit zu geben zu lernen, wie ein solches Projekt funktioniert.

Klamotten, Taschen und Topfuntersetzer werden in Lilongwe produziert und in Deutschland verkauft. Während das Team den Online-Handel noch aufbaut, stehen Freiwillige auf Weihnachtsmärkten, Festivals und ähnlichen Veranstaltungen. Die Schneiderinnen bekommen Geld für jedes Stück, das sie nähen. Ein Teil der Summe wird auf einem Konto angelegt, mit der Idee, dass sich die Näherinnen nach der Ausbildung eine Nähmaschine für einen eigenen Betrieb kaufen können.

Langfristiges Lernprojekt

Eine Finanzierung des Projekts ausschließlich aus dem Verkauf ist momentan noch nicht möglich. Jana erzählt von Anfangsschwierigkeiten, wie etwa der schlechten Infrastruktur in Malawi, aber auch einfach mangelnden Erfahrungen. Taste of Malawi ist ein Projekt, „in dem auch wir uns die Chance geben zu lernen“, erzählt Jana. So lernen das deutsche und das malawische Team seit drei Jahren miteinander und voneinander.

 

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Titelfoto: Katharina Krumpholz

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