Dokumentation Landraub: Die bittere Seite unseres Essens

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Unser Konsum richtet Schaden an. Diese These teilen viele Menschen. Doch wie sieht dieser Schaden konkret aus? Was passiert bei der Produktion unserer Lebensmittel? Die Dokumentation Landraub geht Fragen wie diesen auf den Grund.

Brennende Häuser, zerstörerische Planierraupen und fressende Mähdrescher. „Landraub“ regt zum Nachdenken an. Die zwei Filmemacher Kurt Langbein und Christian Brüser machen hierin deutlich, wie profitorientiert und industrialisiert die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion mittlerweile abläuft. Durch Stimmen von geschädigten und profitierenden Personen aus verschiedenen Ländern, wie Rumänien, Sierra Leone, Großbritannien und Indonesien wird diese Thematik kritisch hinterfragt.

Vertreibung trotz großem Beitrag

Obwohl 70% der Weltnahrungsmittelproduktion auf das Konto von Kleinbäuer*innen gehen, werden diese immer häufiger durch Großunternehmen von ihrem Grund vertrieben, um dann in Folge ganze Wälder in riesige Palmölplantagen „umzukultivieren“, ohne jegliche Rücksicht auf die Menschen und die Umwelt. Expertinnen und Experten sprechen von einer Urwaldrodung von umgerechnet rund 300 Fußballfeldern pro Stunde.

In Kambodscha steht ein vom Landraub Betroffener auf den Trümmern seines zerstörten Hauses. (Foto: Movienet Film GmbH)
In Kambodscha steht ein vom Landraub
Betroffener auf den Trümmern seines zerstörten
Hauses. (Foto: Movienet Film GmbH)

“Wir haben uns nie getraut, zu protestieren. Was sie nehmen wollen, können sie nehmen.” Sätze wie dieser kommen im Film des öfteren vor und gehen nicht mehr aus dem Kopf. Zu schockierend die Geschichten einzelner Menschen. Andererseits dann aber auch zu sehen, wie die Länder des globalen Nordens nach Rohstoffen wie Palmöl oder Ethanol, dem Stoff für Biodiesel, ächzen. Während betroffene Menschen von Vertreibung, Versklavung und Profitgier sprechen, argumentieren die Investor*innen mit dem rasanten Bevölkerungsanstieg und dem wachsenden Hungerproblem. Afrika sei „das letzte noch zu erschließende Gebiet“ in Sachen Landwirtschaft. Außerdem könne eine profitorientierte Vermarktung der Erzeugnisse auch den Bäuer*innen dienen, indem diese am gesunden Wirtschaften teilhaben können. Tatsächlich ergeben sich für einige wenige neue Arbeits-und Verdienstmöglichkeiten, indem sie für die Großunternehmen beispielsweise auf den Feldern oder im Gewächshaus arbeiten dürfen, meist allerdings nur für einen Niedriglohn von wenigen Euros im Monat. Wissenschaftler*innen sprechen im Bezug auf den Umgang von Investierenden mit dem afrikanischen Kontinent dahingegen von einer „neuen Welle des Kolonialismus”, so drastisch seien Vertreibung und Ausbeutung zum Zwecke des Profits.

Entwicklungshilfe = Investiotionshilfe!?

Die Verknüpfung zu Ländern des globalen Südens wird schnell deutlich. Es seien Hilfsprogramme der EU und Entwicklungshilfegelder aus Österreich, die es millionenschweren Investor*innen erst ermöglichen würden, „Landgrabbing“ zu betreiben. Ohne diese Investitionshilfe und den riesigen Absatzmarkt in Ländern des globalen Nordens würde dieses profitorientierte und für viele Menschen teuer zu stehen kommende System zum Einsturz gebracht werden.

Beeindruckende Bilder von riesigen Maschinen, mächtigen Wäldern und nicht endenden Ackerflächen geben dem Publikum einen Ansatz an Einsicht in diese groteske Welt und haben mich zum Grübeln angeregt. Die Nachricht dieser 92-minütigen Dokumentation ist schon nach den ersten Bildern klar: „Der Zucker ist süß, aber sein Herz ist bitter.“

 

Aktueller Vorführungstermin: 18. November, Europäisches Parlament (weitere Termine auf der Homepage) und in ausgewählten Kinos.

 


Titelfoto: Movienet Film GmbH


Mehr dazu:

  • Dokumentation Landraub, Regie/Produzent: Kurt Langbein, Buch: Christian Brüser/Kurt Langbein, Kamera: Wolfgang Thaler/Attila Boa/Christian Roth, Österreich 2015
  • Homepage des Films Landraub
  • Landraub bei Facebook
Übergabefeier (Foto: Helden e.V. I Yener Selcuk)
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