Wiener retten Brot: Weil’s auch am nächsten Tag noch schmeckt

No Comment

In Wien retten junge Leute altes Brot und verkaufen es auf dem Markt. Kauf das jemand? Elena Kolb hat die Brotpiloten begleitet.

Brotpiloten. Da denkt man gleich an Flugzeuge. Die ersten Euros, die die Brotpiloten einnahmen, investierten sie allerdings in ein neues Lastenrad. Brote werden bei den Piloten nämlich überwiegend auf dem Drahtesel durch Wien gefahren. “Unser Lastenrad wird auch als Marktstand verwendet”, erzählt Christian Fritz, Mitbegründer der Brotpiloten. Seit März 2017 sind sie aktiv. Christian war vorher für Foodsharing unterwegs und bemerkte, wie schwer es karitativen Organisationen oft fällt, Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden, zu verteilen.

Abends retten, morgens verkaufen

Die Brotpiloten geben Backwaren in Wien eine zweite Chance. Momentan kooperieren sie mit zwei Bäckereien, die ihnen erlauben, Weckerl vom Vortag einzusammeln und diese zu geringeren Preisen auf dem Markt loszuwerden. Die Piloten sammeln Freitag abends die Waren ein, um sie dann samstags zu verkaufen. Der Verkaufspreis soll etwa die Hälfte des Originalpreises betragen.

Sie vertreiben durchschnittlich 100 Kilogramm Brot, Brötchen und süßes Gebäck pro Markttag. Warum? “Ich habe Bock auf Veränderung”, sagt Christian.  Er will den Menschen die “unglaubliche Lebensmittelverschwendung” bewusst machen und seine fundamental ökologischen Ideen in die Gesellschaft bringen: “Weniger ist mehr, raus aus der Überflussgesellschaft.” Christian wünscht sich, dass die Kunden ihren eigenen Lebensstil hinterfragen und auf einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck hinarbeiten. Er zielt dabei vor allem auf den Gesprächsaustausch am Marktstand. Dort diskutiert er mit den Einkäufer*innen zum Beispiel darüber, dass “Wien gerüchteweise jeden Tag so viele Backwaren wegwirft, wie Graz verbraucht”.

Alle glücklich?

Was sagen die Bäckereien dazu, dass ihnen der “Müll” abgenommen wird? Noch werden keine Hüte hochgeworfen. Bei einer Bäckerei müssen die Brotpiloten sogar einen Ausgleich von zehn Prozent des Wertes der Backwaren zahlen. “Bäckereien haben einen höheren Serviceaufwand durch Vorsortieren für uns”, erklärt Christian. Der Aufwand sowohl an Zeit sowie an Finanzen ist unerwartet hoch. “Geld fließt zu einem großen Teil in die Logistik und die rückwirkende Finanzierung von schon angeschafftem Equipment” so Christian. Dazu kommen die Abgaben an die Bäckerei und die Marktstandgebühren.

Trotz allem lohnt es sich, die Brotpiloten-Idee auf größtmöglicher Ebene in die Gesellschaft zu streuen, weil viele Marktkund*innen nach genaueren Hintergründen der Thematik fragen und sich sehr darüber wundern, was für riesige Mengen am Marktstand angeboten werden. Im letzten Jahr sind die Brotpiloten zu Christians Haupttätigkeit geworden.  Rund 20 Student*innen und Freund*innen helfen ihm ehrenamtlich. Die Gewinne, die die Brotpiloten machen, wurden bisher gesammelt und zur Seite gelegt. Im Raum stehen die Vision eines eigenen Ladenlokals und auch der Wunsch, Helfer in Zukunft finanziell mittragen zu können.

Das Team freut sich, wenn sie Gruppen inspirieren, das Konzept in anderen Städten umzusetzen. Tipps dazu, wie sich die Piloten organisieren, gibt es auf der Website brotpiloten.at, wo eine Mailadresse zu finden ist. Auf Nachfragen bieten die Piloten auch Workshops zum Thema an. Brotquiz, Verkostung oder Knödelmachen aus Altbrot inklusive. Und der wichtigste Tipp von allen? Kreativ werden mit altem Brot, bitte! Schon mal Brotauflauf oder Scheiterhaufen probiert? Das Internet sprudelt nur so vor Ideen. Hannah aus dem Brotpilotenteam empfiehlt Brotpizza: Das alte Brot einfach noch mal toasten, nach Lust und Laune Pizza-ähnlich belegen und rein in den Ofen. Lecker!

 

Mehr zum Thema:


Titelbild. CCo License/Souce: Pixabay

Previous post
Morgens Input, nachmittags Visionen: Wandelwerkstatt in Köln
Next post
Ein Bus für mehr Demokratie

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

vierzehn + sechs =

Back
SHARE

Wiener retten Brot: Weil’s auch am nächsten Tag noch schmeckt