Asylrecht und Mietstreit: Heidelberger Studierende bieten kostenlose Rechtsberatung

No Comment

Jurastudierende gelten bei vielen als karrieregeil, unsozial und geldgierig. In Heidelberg beweisen Studierende gerade das Gegenteil. Gratis geben sie notleidenden Mietenden Ratschläge und helfen sogar Flüchtlingen dabei, ein Bleiberecht zu erstreiten. Jetzt hat die Gruppe dafür auch einen Preis gewonnen.

„Viele Menschen wissen nichts von ihren Rechten“, sagt Jan-Willem Prügel. Der 26-jährige sieht nicht aus, wie man sich einen Jurastudenten vorstellt. Die Haare trägt er kurz, dazu einen Kapuzenpullover und einen freundlichen Blick. Gemeinsam mit fast 40 Verbündeten will er Menschen zu ihren Rechten verhelfen.

Vor knapp zwei Jahren kam Jan-Willem zu der Idee einer studentischen Rechtsberatung. Mit dem Wissen, dass er sich im Jurastudium angeeignet hat, wollte er Menschen ermutigen, ihr Recht einzufordern. Nur allzu häufig hätten Menschen Berührungsängste mit Gerichten und Anwälten.

Mieterschutz und Asylrecht

„Neulich hatten wir einen komplizierten Fall, bei dem ein Student sein Zimmer untervermietet hat – und keinen einzigen Cent gesehen hat.“ Jan-Willem hat sich auf Bürgerliches Recht spezialisiert. Dazu gehören auch Fälle zum Mietrecht: “Wir haben die Rechtslage geprüft und darauf aufbauend eine Handlungsempfehlung abgegeben, worauf der Mandant guten Gewissens die Kaution des Untermieters behalten durfte.” So konnte Pro Bono schon neun „Mandanten“ und “Mandantinnen” zu ihrem Recht verhelfen.

Woher diese kommen, ist dabei ziemlich egal. Er habe schon Menschen aus Berlin und Bremen beigestanden, sagt Jan-Willem. Die einzige Einschränkung sei der Streitwert. Jeden Fall, in dem es um mehr geht als 700 Euro, lehnen Jan-Willem und seine Kollegen ab: „Mit der Beratung gehen wir natürlich ein Risiko ein.“ Obwohl Pro Bono Heidelberg sich von einem juristischen Beirat beraten lässt, könnte es passieren, dass ein ehemaliger Mandant oder eine ehemalige Mandantin gegen Jan-Willem und Kollegen vorgeht. „Und das Risiko wollen wir so gering wie möglich halten.“

Arbeit in Erstaufnahme-Einrichtung

Erstaufnahme-Einrichtung in Heidelberg (Foto: Niklas Rudolph)
Erstaufnahme-Einrichtung in Heidelberg
(Foto: Niklas Rudolph)

In einer Heidelberger Kaserne ist eine Erstaufnahmeeinrichtung des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge untergebracht. Wo früher amerikanisches Militär hinter Stacheldraht untergebracht war, stecken nun Neuankömmlinge aus Afrika, Asien und Osteuropa. Hier wird die Hilfe von Pro Bono dringend benötigt.

Denn seit Neustem sitzen die Kollegen von Jan-Willem auch im Heidelberger Asyl-Arbeitskreis. Sie bereiten Flüchtlinge und andere Asylsuchende auf ihr Vorstellungsgespräch bei den Behörden in Stuttgart vor. In dem Gespräch werden den Flüchtlingen 25 Fragen gestellt. Anhand der Antworten wird darüber entschieden, ob die Menschen in Deutschland bleiben dürfen: „Gehören Sie zu einer bestimmten Volksgruppe? Sind Sie Mitglied einer Partei oder haben Sie sich für eine politische Organisation aktiv betätigt? Was befürchten Sie bei einer Rückkehr in Ihr Heimatland?“

„Wir gehen das Gespräch mit den Leuten durch“, sagt Jan-Willem, „erklären ihnen die Hintergründe der Fragen und sorgen dafür, dass sie verstehen, um was es den Prüfern geht.“

Für ihr Engagement hat Pro Bono Heidelberg jetzt den vierstellig dotierten Engagement-Preis des Ehemaligenvereins der Friedrich-Ebert-Stiftung gewonnen. „Der Preis ist eine große Anerkennung für unsere Arbeit. Wir verstehen ihn als Qualitätssiegel, mit dem wir unsere Initiative weiter professionalisieren können.“ Jan-Willem will jetzt dafür sorgen, dass Pro Bono eine Institution der Universität Heidelberg wird. Damit auch nach seinem eigenen Studium andere Jurastudierende weiterhin für die Rechte Benachteiligter streiten können.

Mehr zum Thema:

Previous post
Petition: Zugvögel fordern gerechtere Visabestimmungen für Süd-Nord-Freiwillige
Next post
Film "Blickwechsel": Kritische Perspektive der Gastländer auf Freiwilligendienst

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

zwölf − neun =

Back
SHARE

Asylrecht und Mietstreit: Heidelberger Studierende bieten kostenlose Rechtsberatung