Alternative WM: Rote Karte für FIFA und co.

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Korruption, Kommerz, Skandale – der Fußball ist nicht mehr das, was er mal war. Mit dem Social World Cup 2018 will eine Gruppe junger Fans ein Zeichen setzen. Der Beginn einer kleinen Fußball-Revolution?

Es war einmal so simpel: Zwei Teams, ein Ball, ein Feld. Fußball stand für sportliches Können und millionenfach geteilte Begeisterung. Sich nachmittags auf dem Bolzplatz schon auf das Spiel des Lieblingsvereins am Abend zu freuen, gehörte dazu. Weil man stolz darauf war, Teil der Fangemeinde zu sein. Und weil genau diese Gemeinschaft einzigartig war, auf der ganzen Welt präsent und fähig, wortlos Grenzen zu überwinden.

Heute? Fußball als knallhartes Geschäft. Ein globalisiertes System, in dem eine mächtige Elite ihr schmutziges Unwesen treibt. Der Zweck heiligt Korruption, missachtet Menschenrechte und handelt Spieler wie Maseratis, in Summen, die an Abstraktion grenzen. Immer mehr Kommerz, immer mehr Skandale. Die Fans sind Teil dieses Systems. Sie sind eine gigantische Mehrheit – doch sie können es nicht mitgestalten. Protest, sofern er an die Öffentlichkeit gelangt, verstummt meist schnell wieder.

Zeit, dass sich was dreht

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Carmen, Jelena, Timo, Robin, Alex und Niklas
sind die treibenden Kräfte im Team.

Dass aus dieser Kritik dennoch etwas Konstruktives wachsen kann, beweist eine Gruppe junger Fußballbegeisterter: Nicht die Augen verschließen, lieber ein Zeichen setzen wollen Alex, Niklas, Carmen und andere, und stürzten sich in ein bisher einzigartiges Projekt. Im Sommer 2018, kurz vor der FIFA-Weltmeisterschaft in Russland, wollen sie ein alternatives Fußballturnier ausrichten – den Social World Cup. Eine WM von Fans für Fans, fernab der scharfen FIFA-Klauen. Ihre Vision: Auf und neben dem Fußballplatz wird die Unzufriedenheit in Aktion verwandelt. Während Amateurmannschaften aus aller Welt, vorher durch ein Bewerbungsverfahren zusammengestellt, in Berlin, Köln und anderen deutschen Städten um den Pokal kicken, findet rundherum ein buntes Programm statt: Musik und Essen aus aller Welt, deren Erlös an ähnliche Initiativen gespendet wird, und nebenbei reger Austausch zum Thema. Gleichgesinnte treffen aufeinander, diskutieren, haben Ideen – ein rauschendes Fußballfest, das zu einem Nährboden für weitere Projekte wird. Das den Sport hinterfragt, und den Fokus zurück auf etwas lenkt, für das Fußball stehen kann: Teamgeist, Integration und Völkerverständigung.

WM von Fans für Fans

Das Team ist mittlerweile um einige kreative und sportbegeisterte Köpfe gewachsen und wird von verschiedenen Institutionen, darunter “Football Beyond Borders” und die Universität Bayreuth, unterstützt. Das Fortuna Kölner Südstadion ist einer der möglichen Ausrichtungsorte, weitere sind bereits im Gespräch.  „Leute, die davon hören, halten das Projekt grundsätzlich für eine gute Idee“, erzählt Niklas, „viele sind aber trotzdem erstmal skeptisch, fragen sich, wie wir das umsetzen wollen“. Also heißt es, Begeisterung zu verbreiten und Menschen davon zu überzeugen, dass der Social World Cup sich lohnt. Was es bewirken wird? „So oder so werden wir den Weltfußball nicht von heute auf morgen verändern. Aber es ist ein Schritt in eine richtige Richtung. Und wer weiß, was daraus wächst…“.

Am kommenden 20. Mai um 20.18 Uhr ist Anpfiff, und dann sollen möglichst viele Fans den Ball ins Rollen bringen – in der Crowdfunding-Kampagne, die dann über die Umsetzung entscheidet. Wird eine bestimmte Summe an Spenden nicht erreicht, scheitert das Projekt fürs Erste. Mit diesem Verfahren wird sicher gestellt, dass die Basis des Social World Cup keine kommerziellen Großspender sind, sondern Fans wie Alex, Niklas, du und ich. Außer finanzieller ist deshalb auch kreative und organisatorische Unterstützung erwünscht. Jeder kann mitgestalten. Damit es 2018 wieder ein bisschen wie damals ist. Damals, als es noch um den Ball ging.

Mehr zum Thema:


Fotos: Social World Cup 2018


 

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