“Reisegruppe” versorgt Geflüchtete auf der Balkanroute: „Dort sterben Menschen“

“Reisegruppe” versorgt Geflüchtete auf der Balkanroute: „Dort sterben Menschen“

Niklas Rudolph

Niklas Rudolph

Nach seinem Freiwilligendienst in Mosambik (2009/10) drehte Niklas Filme für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Südafrika. Er studiert Musikjournalismus in Dortmund und arbeitet als freier Journalist für Radio, Online und Print.
Niklas Rudolph

Vor den Außengrenzen der Europäischen Union stehen tausende Menschen, denen auf ihrer Flucht die Weiterreise verwehrt wird. Der einbrechende Winter wird für sie lebensgefährlich. In Göttingen haben sich Menschen gefunden, die ihnen entgegen reisen.

„In dem Lager war es mega dreckig und vermüllt“, erinnert sich Frauke Hippler. Ein Durchgangslager in Presevo, Serbien, war die erste Station auf ihrer Reise. Mit einem kleinen Camping-Bus ist sie mit drei Freund*innen im Oktober auf die Balkanroute gefahren. „Dort werden die Menschen mit den nötigen Papieren ausgestattet, um möglichst schnell weiter nach Westeuropa reisen zu können.“ Ihre Ziele: Deutschland, Schweden, Frankreich.

Ein überfluteter Zeltplatz (Foto: Frauke Hippler)
Frauke: „Aus mehreren Pavillons wurde
provisorisch ein Küchenzelt gebaut. In diesem
wurde 24/7 gekocht, aber Volunteers haben auch
andere Aufgaben gemacht, wie z.B. auf
Aufforderung der Polizei die Straße geputzt, weil
alles so dreckig wäre.“

Doch seitdem die osteuropäischen Länder mit Grenzzäunen und Polizeigewalt die Weiterreise von Flüchtlingen unterbinden, sammeln sich die Flüchtlingsströme vor den EU-Außengrenzen. „Wir wussten, dass wir jetzt etwas tun müssen“, erzählt Frauke.

Unterwegs mit Sachspenden

Winterjacken, medizinische Hilfsgüter, Mützen, Schals und Handschuhe hatten Frauke und das Team aus Göttingen mitgebracht. Die Bereitschaft der Menschen in Göttingen war groß, die Gruppe zu unterstützen. Mehr als dreimal so viel Sachspenden, wie Frauke transportieren konnte, kamen so zusammen. In Presevo übergaben sie die warme Kleidung an ein Jugendzentrum und unterstützten eine Feldküche im Durchgangslager.

Der Staat ziehe sich aus der Versorgung der Menschen zurück: „Die Polizei hat uns gefragt, ob wir die Straße putzen können.“ Auch die Hilfsorganisationen wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) seien mit viel zu wenig Mitarbeiter*innen präsent und überfordert gewesen: „Eine Mitarbeiterin wollte, dass wir Decken und Kekse an die Menschen verteilen.“ Es wären einfach nicht genug Einsatzkräfte vom UNHCR vor Ort gewesen. So habe Frauke ‘ran gemusst.

Geflüchtete bei der Registrierung (Foto: Frauke Hippler)
Frauke: „Die Flüchtenden müssen ein Visum beantragen.
Teilweise warten sie bis zu
zehn Stunden in der Schlange.“

Weitere Reisegruppe unterwegs und auf Spenden angewiesen

“Wir waren komplett auf uns gestellt“, schließt Frauke. Es sei ermüdend gewesen, ständig gegen eine europäische Politik der Abschreckung zu arbeiten – die eben auch in Kauf nimmt, dass Menschen an den Grenzübergängen zu Tode kommen. Im kleinen grieschich-mazedonischen Grenzort Idomeni sind in der letzten Woche mehr als 2.000 Menschen nach Athen deportiert worden. Und keiner weiß, ob sich ihre Situation dort verbessern wird.

An diesem Samstag hat sich nun eine weitere Reisegruppe zu den Außengrenzen der EU aufgemacht.

Ob Bulgarien oder Griechenland, das wissen sie noch nicht. Frauke wird diesmal nicht dabei sein. Sie koordiniert die Gruppe von Göttingen aus, betreut den Blog und die Spendenkampagne:

“Solange die Staaten und Hilfsorganisationen bewusst nicht handeln, muss sich irgendjemand um diese Menschen kümmern.”

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Alle Bildrechte: Frauke Hippler


 

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