Kommentar: Mischt Euch ein beim BMZ!

Kommentar: Mischt Euch ein beim BMZ!

Viele zurückgekehrte Freiwillige, die sich entwicklungspolitisch engagieren, nutzen die Angebote des WinD-Programmes des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Dem stehen nun grundlegende Veränderungen bevor. Ein Gastkommentar von Korbinian Schütze.

Mein Freiwilligendienst und die Gedanken, die ich mir im Zuge dessen gemacht habe, motivierten mich, für eine gerechte Welt aktiv zu werden. Einerseits wollte ich an Themen dranbleiben, mit denen ich bei Vor- und Nachbereitungsseminaren konfrontiert wurde, andererseits wollte ich Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst weitertragen. Einige Monate später stieß ich zum WinD-Programm, das damals Weltwärts in Deutschland hieß und das mir genau diesen Raum bot.

Veränderungen im Programm geplant

Das Rückkehrprogramm für internationale Freiwillige WinD soll in diesem Jahr allerdings umstrukturiert und vielleicht sogar abgeschafft werden. Seit 2012 wird das Programm von der Engagement Global gGmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt. Jetzt will das BMZ das Rückkehrprogramm bei Engagement Global umstrukturieren, ein wichtiger Punkt dabei ist die wahrscheinliche Abschaffung der 100%-Finanzierung kleiner Projekte.

Derzeit fragen sich viele Engagierte, was vom WinD-Programm übrig bleibt, wenn die Finanzierung sich ändert. Ich glaube, dass viele Qualitäten dabei übersehen werden. WinD ist eine Plattform, die Rückkehrenden einen Anknüpfungspunkt bietet. Der Einstieg in eine bestehende regionale WinD-Gruppe ist einfach, die Projekt- und Antragsberatungen sind lehrreich und die Finanzierungsmöglichkeiten großzügig. So funktioniert niedrigschwelliges und vielfältiges Rückkehrengagement! Die Zahlen zeigen, dass von 2011 bis 2015 über 240 Aktionen und Projekte in mehr als 30 Städten durchgeführt wurden. Dazu kommen die Effekte des WinD-Programms, die sich nicht mit Zahlen belegen lassen und die vielleicht sogar noch wichtiger sind: Junge Menschen lernen bei WinD, wie sie ein Projekt planen oder einen Antrag schreiben können. Sie erhalten Wissen für und Zugang zu zivilgesellschaftlichem Engagement. Das sind Lerneffekte, die sich mit keinen Statistiken belegen lassen.

Engagement verbindet – auch bei WinD

Rückkehrende nutzen das WinD-Programm sehr unterschiedlich. Einige nutzen die Finanzierung, andere die Weiterbildungsmöglichkeiten und wiederum andere die Vernetzung mit anderen Zurückgekehrten. Manche schauen nur kurz vorbei, andere bleiben mehrere Jahre. WinD begleitet Rückkehrende seit dem Beginn des weltwärts-Programms. Die Grenzen vieler Aktivitäten und Initiativen verfließen, beispielsweise bei grenzenlos e.V. – Vereinigung internationaler Freiwilliger, Zugvögel e.V. – Interkultureller Süd-Nord-Austausch oder der jährlich stattfindenden undjetzt?!-Konferenz. Viele, die bei WinD aktiv sind oder waren, engagieren sich jetzt in anderen Vereinen. Auch das Freiwilligenmagazin mitten.drin konnte von den Finanzierungsmöglichkeiten profitieren.

Ich wünsche mir, dass das BMZ und Engagement Global einige Faktoren bei der Umstrukturierung bedenken. Ohne pädagogische Begleitung und Netzwerkmultiplikator*innen würden Gruppen und Aktionen nicht mehr einfach entstehen. Eine 100%-Finanzierung für junge Menschen ist dabei besonders wichtig, denn finanzielle Eigenanteile bremsen schnellen und motivierten Tatendrang. Dieses Gesamtpaket gewährleistet eine niedrige Hemmschwelle für Engagement, die sonst in der Rückkehrszene so nicht zu finden ist. Diese zentralen Gedanken des WinD-Programms sollten erhalten bleiben. Ob das Programm dabei seinen Namen und die Strukturen behält, ist für mich Nebensache. Viel wichtiger finde ich, dass alle Rückkehrinitiativen den Umbruch nutzen, um zusammenzustehen und gemeinsam eine durchdachte Rückkehrarbeit mit einem sinnvollen Zugang zu Finanzierungen zu entwickeln.

 

Um die Anliegen zur Umstrukturierung bei Engagement Global gemeinsam zu formulieren und weitere Protestformen zu erarbeiten, findet eine Skype-Konferenz mit allen Interessierten am Samstag, 11.02.2017 um 15 Uhr statt. Interessierte melden sich dazu bei Korbinian Schütze unter k.s@posteo.de.

 


Titelfoto: Rabea Brandt, HerbstWinD 2016 in Bad Sachsa-Tettenborn


 

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