Glücklich ohne Geld: Raphael Fellmer macht’s vor

Glücklich ohne Geld: Raphael Fellmer macht’s vor

Wir kaufen uns Lebensmittel, damit wir etwas zu essen haben. Wir kaufen Kleidung, weil wir die 20 T-Shirts im Schrank alle nicht tragen und was Neues suchen. Wir kaufen uns Möbel und Dekokram, um unsere Häuser, Wohnungen und WG-Zimmer auszustatten.

Kaufen uns ein Handy und einen PC – am besten das neueste und modernste Modell. Und ein Auto, weil es bequem ist ein Auto zu haben, damit man von A nach B kommt und auf der ewigen Suche nach einem Parkplatz trotzdem sagen kann: Hey, das ist mein Auto – meins! Umweltverschmutzung? Ökologischer Fußabdruck? Schon gehört, aber erfolgreich ausgeblendet. Besitz und Konsum. Kaufen, kaufen, kaufen. Was nicht mehr taugt, wird weggeschmissen oder wieder verkauft. Firmen produzieren, die Umwelt wird verschmutzt, Arbeiter schuften, teils unter katastrophalen Bedingungen. Auf langem Wege wird der Transport von Lebensmitteln, Kleidern und anderen Konsumgütern in unseren Alltag ermöglicht. Ohne einen Gedanken daran: Was macht das mit unserer Umwelt? Was macht das mit uns?

Geld regiert die Welt. Und auch dich?

Der Autor Raphael Fellmer geht diesen Gedanken nach. Er hat sich entschieden, sich nicht regieren zu lassen. Mithilfe der biographischen Aufmachung seines Buches zeigt er, wie sein Lebensweg ihn nach und nach zu einem Leben ohne Geld geführt hat und welche Erlebnisse ihn geprägt haben, um eine solche Entscheidung zu treffen. Im Jahr 2013 tritt er mit zwei Freunden eine Reise per Anhalter an. Sie beginnen in Holland, weiter über Spanien bis nach Marokko. Nach einem längeren Aufenthalt geht es von dort aus zu den kanarischen Inseln und anschließend in einer mehrwöchigen Reise auf dem Segelboot über den Atlantik nach Brasilien. Und das alles, ohne einen Cent zu bezahlen. Das Ziel ihrer Reise ist die UN- Klima Konferenz in Mexiko, bei der sie nach einer Reise von elf Monaten auch ankommen.

Raphael Fellmer erzählt von unzähligen Mitfahrgelegenheiten, kostenlosen Schlafplätzen in besetzten, leer stehenden Häusern, bei hilfsbereiten Unbekannten, Couchsurfing-Erfahrungen, positiven sowie schwierigen Situationen ohne Geld in der Tasche . Er berichtet auch vom Beginn der Bewegung des Lebensmittelrettens von Supermarktprodukten, die wegen des Ablaufdatums oder Druckstellen weggeworfen werden, obwohl man sie getrost noch essen könnte. Er schreibt über seine Vision des Lebens als friedliches, teilendes und liebendes Miteinander. Er gibt kontrastierend seine eigenen Erfahrungen und Erklärungen über den Klimaschutz, Umweltverschmutzung, die Textilindustrie, Veganismus, das Wirtschaftswachstum, die unterschiedlichen Bedingungen in einzelnen bereisten Ländern und die Auswirkungen unseres alltäglichen Handelns und Konsumverhaltens wider.

Durch das Buch gewinnt man eine spannende subjektive Einsicht in das geldlose Leben eines engagierten Aktivisten, der uns allen als Beispiel für ein reflektiertes, bewusstes und umweltfreundliches Dasein vorangeht.

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Dieser Artikel erschien im August 2015 in der Print-Ausgabe von mitten.drin.


Foto: Mahir Uysal


 

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