Edelkakao aus Lüneburg: „der Ansatz bewegt was“

Edelkakao aus Lüneburg: „der Ansatz bewegt was“

Egal ob Schokolade oder Kaffee, in Lüneburg interessiert man sich für die Bohne. Der Verein LüneBohne in Lüneburg betreibt Direkt-Import aus Ruanda und Ecuador.

Es ist ein kalter Winternachmittag in Lüneburg. Weihnachtsmarktbesucher*innen strömen durch die Gassen und füllen die Stadt mit Leben. In einer Seitenstraße liegt das Heinrich-Böll-Haus, das im Erdgeschoss das „Avenir – Laden und Cafe“ beherbergt. Im Sommer wird hier der Kaffee zum Fenster hinaus gereicht, im Winter verlagert sich das Geschäft nach innen. Die Regale sind gefüllt mit Craft Beer, Wein, der einen oder anderen Leckerei und vor allem mit jeder Menge Kaffee, den die Betreiber*innen selbst importieren.

Das Avenir ist der Hauptvertriebsort des Vereins Lünebohne e.V., der Kaffee, Espresso und Trinkschokolade von seinen Partner*innen direkt und unter fairen Bedingungen importiert und verkauft. Für seine Trinkschokolade ist das Projekt SchokoLüne jetzt mit dem FAIRWANDLER-Preis ausgezeichnet worden. Während ich meinen Cappuccino trinke, erzählt mir Max, eins der Urgesteine des Vereins, mehr über das Projekt. Max ist 29 Jahre alt, studiert Holzwissenschaften in Hamburg, wohnt aber aus Liebe zur Stadt in Lüneburg und ist seit sechs Jahren, also fast von Beginn an, bei Lünebohne als Allrounder aktiv.

Schoko aus Chocó

Als vor zwei Jahren das Projekt SchokoLüne startete, stieg er voller Überzeugung, dass eine faire Trinkschokolade möglich ist, in das neue Projektteam ein. Seitdem ist viel passiert: Das Team hat enge Kontakte zu einer Kakaofarm in der ecuadorianischen Region Chocó aufgebaut, zwei Fuhren Kakao importiert und drei Preise gewonnen. Aber was genau unterscheidet die SchokoLüne von anderen Trinkschokoladen?

„Einmal, dass sie in Ecuador hergestellt wird, die Wertschöpfung bleibt also vor Ort“, erklärt Max. Anders als bei vielen herkömmlichen Trinkschokoladen wird nicht nur der Rohstoff nach Deutschland importiert. Der gesamte Veredelungsprozess findet in Ecuador statt, sodass dort Arbeitskräfte für die Weiterverarbeitung angestellt und bezahlt werden. “Der zweite Punkt ist, dass es sich um Edelkakao handelt.“ Ich erfahre, dass es drei Arten von Kakao gibt: Konsumkakao, also hochgezüchteter Plantagenkakao, der viel Dünger, viel Wasser und viel Sonne benötigt und schnell wächst, dementsprechend aber auch weniger geschmacksintensiv sei. Edelkakao sei der „Grundkakao“, der langsamer wächst, mehr Pflege bedarf, deswegen auch ein wenig teurer, aber in der Qualität definitiv hochwertiger sei. Schlussendlich gebe es noch Wildkakao, der nicht angebaut wird, sondern natürlicherweise im Regenwald wächst. Edelkakao sei für Konsumkakao die beste Form.

Guter Geschmack – gut für die Umwelt

Im November 2016 bekam Lünebohne den Fairwandler-Preis in Frankfurt verliehen.

„Der dritte Punkt ist“, fährt Max fort, „dass die Verpackung unseres Produkts komplett biologisch abbaubar ist. Wir haben endlich eine Druckerei gefunden, die die Etiketten aus Maisstärke herstellt, sodass da kein Polyethylen enthalten ist. Und viertens ist der Schutz des Regenwaldes garantiert. Der Kakao wird schließlich direkt neben und auch im Regenwald integriert angebaut. Das ist ein sogenanntes Agroforstsystem. Dafür muss nichts gerodet werden. Und dadurch, dass auch nicht gespritzt wird, wird die Tier- und Pflanzenwelt möglichst wenig eingeschränkt. Deswegen auch der Spidermonkey“, sagt Max und zeigt auf das Etikett, auf dem zwei Äffchen zwischen Regenwald und dem Lüneburger Kran umherspringen, „das ist unser Maskottchen, dieser Klammeraffe, der da beheimatet ist. Den gibt es nur noch in der Region.“

Polyethylen

Auf der Verpackung ist außerdem ein kleines braunes Logo zu sehen: Direct trade. Der Kontakt zu den Produzent*innen der SchokoLüne ist eng, es gibt keine Zwischenhändler*innen, sodass der Gewinn bei den Produzent*innen möglichst hoch bleibt. Für Max ist der direkte Kontakt auch auf persönlicher Ebene wichtig. So hat er selbst die Partner*innen von Lünebohne in Ruanda besucht, ein anderes Teammitglied war einige Wochen bei den Kakaoproduzent*innen in Ecuador zu Besuch: „Felix hat mit denen zwei, drei Wochen auf der Farm gelebt, die Bäuer*innen kennen gelernt, mit gepflückt, und hat echt Freundschaften geknüpft.“

Nächte neben der Mahlmaschine

SchokoLüne ist aber noch mehr als nur das Produkt. Einen wesentlichen Teil des Projekts stellen Workshops z.B. für Schulen und Jugendvereine dar, in denen Fairer Handel thematisiert und Schokolade selbst hergestellt wird. Allerdings sind die Projektmitglieder inzwischen über ganz Deutschland verstreut. „Gerade wissen wir nicht, wie wir das schaffen sollen“, sagt Max. Der Aufwand hinter einem Workshop ist enorm: Im Voraus müssen die Bohnen geröstet werden und mit einer Mahlmaschine gemahlen werden. Diese kann zwar über Nacht laufen, muss jedoch neben dem Bett stehen und immer mal wieder überprüft werden, „weil man immer gucken muss, dass die Stangen nicht verkeilen.“ Zwei Tage Vorbereitungszeit für zwei Stunden Workshop – das sei auf Dauer „utopisch“.

Auch wenn das ehrenamtlich organisierte Projekt immer wieder mit kleinen Problemen zu kämpfen hatte, ist Max voll und ganz von dem Konzept überzeugt. „Gerade der ganzheitliche Ansatz bewegt was, es sind zwar immer kleine Stücke, aber das find ich toll. “


Titelfoto: Stefan Kellner / flickr

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